Spur 1 Mannheim

Corona hat die Welt fest im Würgegriff und schnürt die Fesseln täglich enger.
Mit dem Wort Zukunft kann heute kaum noch jemand etwas Positives verbinden.
Die Kurzlebigkeit und die Hilflosigkeit in unserem Dasein wird bewusster; und die Machtlosigkeit der Menschheit gegenüber den Naturgewalten ebenso.

Soweit dieses Vorwort und jetzt der Sprung in die Gegenwart bzw. in die Vergangenheit; Schwerpunkt ist ja bei uns Epoche 3b bzw. 4a ... ;-)
Gerade jetzt noch (Ende 03/2020) lässt sich ja unser Hobby recht gut im "homeoffice" (Werkstatt/Heimanlage) betreiben ...

Erster "Corona-Neuzugang" sind die neuen bayerischen Lokalbahnwagen von km1, die eben gerade ausgepackt wurden.
Sehr schöne Wagen, die der ersten Serie von vor einigen Jahren in nichts nachstehen.
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Diese Familie scheint sich aber nicht für die Wagen zu interessieren, sondern ...
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... eher für den Hund.
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Aber was gibt es bei den jetzigen Ep. 3b Versionen zu dokumentieren?

Beim Auspacken:
den schweren Metall-Wagen wird noch immer keine Verschraubung mit dem Bodenbrett gegönnt. Das Bodenbrett ist auch kürzer wie der Karton. In Längsrichtung drücken nur die Puffer in den Schaumstoff. Der Wagen hat also bei schweren Stößen von aussen doch noch eine gewisse "Bewegungsfreiheit". Wenn man sowas nicht will, hier mal schauen (Pos. 9).
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Das ausgebrochene Gussteil und die trotz Klebeband offenen Türen deuten darauf hin, dass dieser Wagen wohl schon eine gewisse "Reisetätigkeit" innerhalb des Kartons hinter sich gebracht hat.

Die "passive" Federung ist weich und leichtgängig; die Achslagersteine liegen auf Anschlag, wobei jedes Rad aber immer nach unten den Gleisunebenheiten folgen kann. Wesentlich besser also, wie eine zu harte Federung, bei welcher die Fahrzeuge kippeln und keine Allradauflage haben.


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Immer wieder bei den Kleinserienmodellen:
die Bremsschläuche stochern "willenlos" in der Luft herum und lassen sich nicht dauerhaft einhängen.
Ausserdem hatten diese Ep. 3 Wagen leider die Doppelhaken-Kupplungen der Ep. 1 bekommen.


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Wenn man den Splint und den Bolzen am Kupplungshaken löst, lässt sich das überflüssige Kupplungsteil ausbauen. Der Bolzen wird gekürzt und mit Lot gegen Herausfallen gesichert. Ausserdem - leider auch kleinserienüblich - schwergängige Gewinde und Gelenke, die bei dieser Gelegenheit gleich nachgarbeitet wurden. Weiters wurden die Gewindeenden leicht gequetscht, um Verluste durch erschütterungsbedingtes Herausfallen zu verhindern. In den Pufferbohlen wurden (mangels ex Hübnerteilen) die Ruhehaken mit schwarzen Draht nachgebildet.


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Durch die Schatten der tiefstehenden Sonne nur bei genauem Hinsehen auszumachen:
Die Kupplung im Ruhehaken und die mit Sekundenkleber fixierten Bremschlauchkupplungen dort, wo sie hingehören, nämlich in den Haltern.


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Zum Öffnen der Sitzwagen genügt es die 6 Bodenschrauben zu lösen. Beim PwPost muss zuvor noch die Kette am Übergangsblech gelöst werden. Die Steckverbindungen zum Dach sitzen recht starmm. Unter dem Schrumpfschlauch die Elektronik (s.u.).


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Hier sind die Bänke der linken Sitzgruppe recht eng beisammen (Pfeile), weshalb sich beim Öffnen die beiden Befestigungslaschen des Aufbaues darunter verhakten. Ein leichtes Abschrägen der Kanten mit dem Seitenschneider an den Sitzflächen beseitigt dies für die Zukunft.


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Die vom Schrumpfschlauch befreite Elektronik (v.l.):
5 Volt Regler, PCB mit den Elkos für  U+ (470 uF) und zur Dämpfung des Spannungsreglers (100 uF) sowie der Tams Decoder FDR2 Basic.
Statt auf 5 (lt. BA) hört der Decoder jedoch auf die Adresse 21.
Die Anschlüsse:
x6  ge  F3 (R5)  WC Bel.  1 K-Ohm vor jeder LED
x2  gn  F2 (R4)  Bühnen Bel. 2K4 vor jeder LED
x1  ws  F1 (R3)  Innen Bel. 1 K-Ohm vor jeder LED
x3  sw  GND (minus)
x7  bl   U+
Der Spannungsregler gibt auf "V+" 5 Volt ab
Die LED dürften sunnywhite sein. Der Farbton macht sich aber gut mit der Inneneinrichtung. Eine minimale Pufferung ist vorhanden, aber in der Praxis eher nicht ausreichend. Die Stromabnahme alleine über Kugellager ist bei nur 2-achsigen Fahrzeugen einem Flackerschutz auch nicht unbedingt förderlich.

Es wurde vor dem Umbau auf 3V (s.u.) leider nicht getestet, ob in Verbindung mit dem 5 Volt Regler ein Dimmen möglich wäre. Wenn nicht, und die Bühnenlichter zu hell sind, kann man bei R4 die Leiterbahn durchtrennen und einen Widerstand auflöten (mit 3 K mal anfangen zu testen).


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Die Zwischendecke aus geätztem Belch lässt sich mit 3 Schrauben ausbauen, um an die LED Platine zu gelangen. Zuvor müssen allerdings noch die beiden eingeklebten Bühnen LED mit dem Skalpell vorsichtig gelöst werden. Die Innen-LED strahlen in schön detailiierte Lampenkörper aus Ms-Guss ab.

Für den Umbau auf unsere "3V Versorgung" wurden die 1 K Widerstände gebrückt und die 2K4 der Bühnen LED durch 270 Ohm ersetzt. Ausserdem wurden die 3 getrennten LED Stromkreise zusammengelegt, weil gemeinsame Bedienung gewünscht ist. Der stepdown ist auf 2,60 V eingestellt.


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Platzmäßig ist bequem ein 2.200 uF Elko unterzubringen. Die Pufferzeit beträgt bei den Sitzwagen mit 7 LED etwa 20 sec.; beim PwPost mit 6 LED etwa 25 sec.


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Die 3 Wagen bilden zusammen mit dem "aufgemöbelten" (insbesondere die Zustzschleifer wegen der Kugellager-Stromaufnahme haben sich sehr gut bewährt) Glaskasten ein wunderschönes Züglein.
Bilder folgen sicher noch.
Und hoffentlich bald auch die langen Lokalbahnwagen ...


Corona lehrt uns nicht nur, die Prämisse "schneller, besser, weiter" ganz grundsätzlich in Frage zu stellen, sondern kann nebenbei auch zur Neubewertung der Prinzipien im Spur 1 Hobby führen.
So soll es nicht immer "mehr, neuer, teurer und digitaler" lauten.
"back to the roots" kann vielleicht sogar sehr viel besser zufriedenstellen ...
Und es gibt so viele, gute alte Sachen im Fundus, die nur auf eine Überarbeitung warten.
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Dies ist der allererste Spur 1 Wagen des Autors aus dem Jahre 1990. Seinerzeit war durch sehr günstige Bedingungen eine E 18 von J&M zu bekommen, für die dann auch Personenwagen benötigt wurden. Bei den Märklin 3yg hieß es aber: "werden nicht mehr hergestellt" :-o
Der örtliche Händler konnte jedoch noch eine 4-er Garnitur auftreiben. Und so fuhr dieser Zug viele Jahre auf LGB Gleisen klaglos durch den Garten.

Die dreichsigen Umbauwagen
Die Neuankündigungen von Wunder bzw. km1 - sofern sie überhaupt mal geliefert werden -, kommen ganz sicher nicht ins Haus, denn die Märklin Oldies lassen sich mit einigen Handgriffen sehr gut aufwerten:
Räder einfärben, Stirnrolläden einfärben, kürzer Kuppeln, LED Zugschluss, verbesserte Stromaufname, gute Innenbeleuchtung, Fahrgäste und vor allem neue Fensterrahmen.

Die viel zu schmalen Fensterrahmen sollen nach Überarbeitung vor allem zu den 4yg Fenstern von Hübner/Märklin passen.
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Beim Hübner Fenster (oben) gibt es neben der Regenleiste auch noch die ringsum gut sichtbaren Fugen jeweils in Rahmenmitte.


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Oben im Vergleich: die von verschiedenen Herstellern angebotenen Ätzteile zum Auflegen auf die alten Fenster haben leider alle nicht diese feinen Fugen und wirken deshalb "zu flächig" und zu breit. Irgendwie wird dadurch der Gesamteindruck der Seitenwand "erdrückt" (im Bild das dritte Fenster von links). Versuche mit 0.3 mm gelasertem Karton brachten bessere Ergebnisse, wie man an den anderen Fenstern erkennen kann. Bei den großen Fenster liegt die Höhe des Mittelsteges noch nicht auf richtiger Höhe.


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Der Rolladen wurde in RAL 6007 flaschengrün gespritzt. Das graue, lichtundurchlässige Kartonteil daneben wird hinter den eingebauten Rollladen geklebt, damit die Beleuchtung nicht mehr durchscheint. Die Fensterrahmen wurden in RAL 9007 graualuminum per airbrush eingefärbt. Leider sehr zeitaufwändig, aber sauberer, wie mit dem Pinsel.


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Das Aufkleben erfolgt mit wässrig verdünntem Ponal. Nicht zu dick mit dünnem Pinsel rückseitig auf den Karton auftragen. Beim Auflegen sorgsam vorgehen, denn es kann nur ganz kurz korrigiert werden, weil der Leim sehr schnell anzieht. Kurz mit den Fingern die Ecken andrücken und dann mit Gewichten fixieren. Versehentlich ausgetretenen Leim sofort mit Q-Tipps und Wasser entfernen. Der Leim hält verdammt gut auf dem Kunststoff !!!
Vermurkste Fensterrahmen lassen sich nur noch mühsam mit dem Skalpell abschälen!
Wenn möglich, an einem Altwgen zuvor Versuche machen.


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Der Leim zieht sehr schnell an. Wenn man 3 Satz Gewichte hat, kann man direkt Fenster für Fenster abarbeiten. Aber nicht hetzen !!! ;-)


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 Und jetzt zur Innenbeleuchtung:

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Das 3V LED Band erhält einen Abzweig zur Beleuchtung des WC.


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In die Stirnwände kamen Durchbrüche von 3 x 9 mm, damit die Lichtleisten bis ans Wagenende reichen können und die Einstiegsräume auch beleuchtet sind.
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Diese 4-er Einheit ist elektrisch durchverbunden: ein Wagen nimmt Strom auf (2 Achsen), ein Decoder, ein stepdown-Regler (2,55 V) und 3.300 uF bringen dann ca. 13 Sekunden Pufferzeit.


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Der Einbau von Schleifern wurde übrigens hier (ganz unten) schon beschrieben.


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Beleuchtete Kuppelhilfe

Die Augen werden immer schlechter, also braucht man mehr Licht ... :-)

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Als Basis wurde wegen der bewegten Teile keine Pinzette genommen, sondern so eine Schlitz-Buchse (danke Thomas !); ausserdem irgendeine Werbegeschenk-LED-Mini-Leuchte, 2 LED (PLCC2 ww) und eine 2 mm Ms Stange


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Nach Einlöten des 2 mm Drahtes wurde die Schlitzbuchse beidseitig etwas abgeflacht und die LED mit Sekundenkleber stumpf aufgeklebt (Lötflächen dürfen das Ms nicht berühren)


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Die beiden "Ohren" sind schon mal an Ort und Stelle


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Die beiden LED werden parallel geschaltet


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Die Rückseite der LED wird mit Stabilit express verschlossen und die Kabel in Schrumpfschlauch untergebracht


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So sieht`s von vorne aus


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Und so unter Strom


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Das fertige Teil


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Auf eine der drei Batterie wird verzichtet, da 2x 1,5 Volt genau richtig sind. Weil sich die Kontaktfahnen nicht löten lassen (Edelstahl), muss ein Metallring die nicht benötigte Batterie ersetzen. An Stelle der alten 5 mm LED wurde eine M2 Gewindebuchse eingeklebt. Links daneben der Konterring, mit dem der Ms Draht in richtiger Position fixiert wird. Darunter der Steckverbinder für die LED, damit der Kopf der Kuppelhilfe jederzeit abgenommen werden kann.


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Diese LED Schlüsselanhänger sind zwar spottbillig und lassen sich recht gut umrüsten, das Öffnen zum Batterietausch ist wegen der beiden Federchen aber lästig und die Lebensdauer der LR1130 (bzw. LR54 oder AG10) ist mit ca. 75 mAh nicht gerade ergiebig (in der Erstausstattung dürfte die Kapazität noch wesentlich niedriger liegen !!!)..


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Im Foto leider nicht zu sehen, aber zu erahnen: der 2 mm Ms Draht bekam ein M2 Gewinde, um ihn in den Battreriekasten eindrehen zu können.


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Die Ausleuchtung ist hier noch zu grell. Es wurde deshalb ein Widerstand von 47 Ohm zwischengeschaltet, um den Strom pro LED auf ca. 3 mA (total 6 mA) zu begrenzen. Das kommt nicht nur der Lebensdauer der Batterien zu Gute, sondern das nicht mehr so grelle Licht ist auch für das menschliche Auge angenehmer. Rechnerisch würde sich dann eine Brenndauer von gut 10 Stunden ergeben. Inwieweit das zutrifft, muss dann die Praxis erweisen.

Wir werden das Thema aber noch weiterentwickeln und nach geeigneten LED-Schlüsselanhängern suchen, die mit den LR44 (ca. 125 mA) arbeiten und ein einfacher Batteriewechsel über Schraubverschluss möglich ist. Dann wird - wenn Corona wieder etwas mehr zulässt - auch mal eine kleine Serie für die IG gemacht, bei der sich sicher auch Externe beteiligen können.
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2020.05.ab